4
Dez
2007

Zusammenfassung des Kapitels 5 „Die hohe Kunst des E-Learning: Das Bauen hypertextueller Gebilde“, in: "E-Learning Geschichte" von Wolfgang Schmale, Martin Gasteiner, Jakob Krameritsch, Marion Romberg; Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar, 2007

„Der Dialog, das (Streit-)Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist durch kein anderes Medium ersetzbar, weder in Lehre noch Forschung“ (S. 170).

Das persönliche Gespräch wird gerade durch seine Eigenheiten Gestik, Mimik, Rollenwechsel, Pausen und Betonungen so wichtig. Es sollen aber auch sinnvolle Medien, besonders die medienspezifischen Potenziale von Hypertext, zusätzlich genutzt werden.

Die Vorteile sind vor allem eine schnellere und konkretere Verknüpfung, da auf das Dokument direkt zugegriffen werden kann und nicht auf ferne Bezugsquellen zurückgegriffen werden muss. Weiters hat Hypertext stets ein offenes Ende und ist nie ein abgeschlossenes Produkt.

Hypertext kann aber auch als eine Fragen- und Problemgenerierungsmaschine gesehen werden und fördert so Problemlösungskompetenzen. Es können auch traditionelle Hierarchien (institutionell sowie geographisch) unterwandert werden. Hypertext verfolgt kein allgemeingültiges Erklärungsprinzip als Ziel sondern ein Zusammenwirken mehrerer Autoren mit ihren jeweiligen Ideen und Ansichten, um einen möglichst großen Pool von Wissen und Aspekten um ein Thema zu sammeln.

Hypertext kann aber auch als Katalysator der face-to-face Kommunikation dienen, da sich Menschen und Diskurse treffen, die sich sonst nicht getroffen hätten.

Einer der Gründe für die spärliche Verwendung von Hypertext ist, dass das gedruckte Buch immer noch als DAS Medium der Geschichtswissenschaft gilt und die Anwendung von Hypertext bloß als Kür angesehen wird. Es fehlen zumeist auch Anreize zur Verwendung von Hypertext – so gibt es sehr wenig „soziale Prämierung“.

Hypertext wird meist nur zu Organisationszwecken benutzt (Bibliothekssystem OPAC), wo das Mediendesign sehr vernachlässigt wird. Historiker verwenden Hypertext selten, teils aus Unwissenheit über die Möglichkeiten, teils wegen der Unbeständigkeit der zitierten Quellen oder wegen des schlechten Images elektronischer Quellen (in Historikerkreisen kaum anerkannt).

Eine zentrale Herausforderung des Hypertexts ist die Kohärenz zwischen Autoren und Texten. Es braucht Loyalität, eine gemeinsame Sprache, Ideen, Visionen, ansonsten zerfällt die Gruppe. Es bedarf mündiger, freier und kritischer Individuen, die in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Wenn das Team zerfällt, zerfallen auch die Erzählstränge und Hypertext wird zur Textabwurfstelle.

Aber auch die Beiträge selbst müssen aus sich heraus verständlich sein bzw. für sich selbst sprechen und trotzdem sinnvoll zueinander abgestimmt sein. „Eine Aneinanderreihung von Sackgassen ist kein Hypertext, sondern konventionellen Text im digitalen Raum („E-Text“)“ (S. 177)

Im Zentrum von Hypertexten stehen Verknüpfungs- und Assoziationsmuster. Es sollen möglichst viele Erzähl- und Lesepfade geschaffen werden, welche neue Zusammenhänge entdecken lassen und zu neuen Gedanken anregen (Serendipity-Effekt). Erst durch die Verknüpfungen erhalten die Textbeiträge ihre volle Bedeutung.

Hypertext als Spielwiese für die Erprobung von Teamarbeit, individueller Kreativität und den Ausbau narrativer Kompetenzen: Lesen, Sprechen, Schreiben, Denken.
Bei Lehrveranstaltungen kann der Lehrende beispielsweise eine „Initialzündung“ geben, ein Kernthema. Um dieses herum bauen die Studenten dann ein immer größer werdendes Netzwerk auf. Ein großer Vorteil ist, dass das ganze räumlich und zeitlich unbegrenzt stattfindet: So können Studenten ein Semester später an die Beiträge ihrer Vorgänger anknüpfen, diese diskutieren und kritisieren.

Der Hypertextcreator fällt besonders durch seine Art der Verlinkung auf. So können Links mit Attributen versehen werden, was auch einen Ausblick auf den Inhalt der verlinkten Seite bietet.
Zugleich sind die Studenten gefordert, nach gemeinsamen Attributen Ausschau zu halten und die Verlinkungsmöglichkeit in einem guten Mittelmaß zu verwenden, denn zu viel Verknüpfung überfordert, zu wenig Verknüpfung führt ins Leere.

Durch immer neuere und benutzerfreundlichere Programme sind keine Technikkurse mehr nötig und man kann sich voll auf die Arbeit am Inhalt konzentrieren. Hypertexte sind auch Schnittstellen zwischen Disziplinen und Methoden diverser Studiengänge. Man kann hier sehr viel von- und übereinander lernen.

Die Prozesse der Akteurs- und Dokumentenvernetzung bringen didaktische Vorteile bzw. Kompetenzerweiterungen: Förderung der Teamarbeit, Entwicklung gemeinsamer und allgemeingültiger Begriffe, Verbesserung des Schreibstils, Förderung des Denkens in Zusammenhängen (immer das Gesamtbild im Blick haben), leichtere Integration von Bild- und Multimediaquellen, Abbau von Hemmschwellen und Zunahme der Medienkompetenz.
Schmale - 8. Dez, 19:01

Schmale

Sie gehen gründlich auf die verschiedensten Problemstellungen ein; ich würde noch genauer zwischen verschiedenen Typen von HTs unterscheiden; Sie haben Recht, formal sind OPACs etc. auch HTs, aber doch ganz anders als etwa pastperfect.

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